Montag, 22. Mai 2017

Origamisch

Währenddem vor mir aus der Metro ein äusserst tätowierter und muskulös gepolsterter Typ mit elektronischer Fussfessel leichtfüssig ausstieg, musste ich mich zuerst meiner Entfaltung widmen.

Wurstwagen

Warum die Einweiser dauergrinsen, kann ich mir nur mit Schadenfreude an der Charcuterie erklären.

Metrologie

Die Metro ist zu Stosszeiten so vollgestopft, dass es auf dem Perron Einschleuser hat, die sicherstellen, dass die Einwurstung gelingt. Fettspur an der Scheibe garantiert.

Grundriss, Aufriss, Seitenriss

Händewaschen nach dem Pinkeln, scheint in Chile auch bei Damen keine Tradition zu haben. Wichtiger ist es, im Spiegel von allen Seiten zu überprüfen, ob noch jede Rundung am gleichen Ort ist.

Frauchismo

Gestern sass ich mit ein paar Chileninnen meines Alters im Park – wovon eine mir erzählte, dass sie neulich eine Nacht im Gefängnis verbracht hat, weil sie auf der Strasse ihren Freund verprügelte.

Multilinguale Druckwelle

Heute fragte ich mich nach dem Niessen, ob ich mich damit als Gringa geoutet habe. Gibt es beim Niessen einen Akzent, beziehungsweise kann man anderssprachig niessen?

Montag, 1. Mai 2017

Umbaumeln

Zum zweiten Mal einen Baum umarmt und nichts gespürt. Beim dritten Mal klappts bestimmt.


Ruth'sches Kontradikt

Auf dieser Reise freundete ich mich derart mit der Natur an, dass ich eines Tages aufwachte, Pferde sah und sie für schön hielt.

Form follows function

Da das Klima pro Stunde viermal wechselt und man auf dem Zeltplatz wohnt, muss man sowohl in der Winterjacke, im Faserpelz als auch im leichten Jäckchen immer Toilettenpapier mit haben. Trägt man gerade das Sommerkleid, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich die Klorolle um den Bauch zu binden.

Hippotherisch

Eines Tages kam das Huhn an einem derart magischen Ort an, dass es ihn zehn Tage nicht verliess. Es entspannte sich so sehr am Lagerfeuer, dass es einem Hippieleben auf dem Zeltplatz fröhnte. Hängematte, Tanz, Wein, Romanzen, Kräuter, gemeinsames Kochen, gegenseitiges Mandala zeichnen auf die Flügel und Aeroyoga unter Bäumen.


Andere Wurstwaren

Der Zimmergeruch am folgenden Tag veränderte sich insofern, dass fünf andere Personen mit mir den Raum teilten.

Fleisch

Nach der frühmorgendlichen Rückkehr von der Toilette in den Schlafsaal, musste ich feststellen, dass meine Mitmenschen offenbar Salami ausdünsten.

Sonntag, 30. April 2017

Liebesdrama

Wollte heute meinen Beziehungsstatus auf 'verlobt mit Chile' ändern, aber Facebook ist dagegen.

Speicheln

Wegen Speichermangel auf Grund von Fotowahn, beauftragte ich meinen Busenfreund in der Heimat mit dem Kauf einer externen Festplatte.


Ekstasien

Mit verbeulter Stirn, aufgeputschten Augen und geflashtem Hirn stieg ich aus dem Bus. Nun kann ich mir vorstellen, wie sich ein Drogenrausch anfühlt.

Mähdrescher

Die Busfahrt war so spektakulär, dass ich den Apfel, den ich hatte, auf die gleiche Weise verschlang, wie im Kino das Popcorn.

Kataraktal

Auf der heutigen Busfahrt habe ich mehr Wasserfälle gesehen als in meinem ganzen bisherigen Leben. Zusammen mit meiner Busbekanntschaft hechten wir von einer Fensterfront zur anderen, verhalten uns wie kleine Katzen, die einem baumelnden Wollknäuel folgen und stossen uns dabei immer wieder erneut die Köpfe an der Scheibe.

Schauermärchen

Nach tagelangem Guss aus Kübeln, entschloss ich mich doch für die Weiterreise.

Begossene Pudel

Die Strassenhunde hier im Ort sind sich den Regen derart gewohnt, dass Sie genau gleich auf dem Trottoir fläzen, wie wenn die Sonne scheint.

Schirme wie Blumen

Man kann über Regenschirme auf Rucksackreisen schmunzeln. Beim Autostopp im regnerischen Patagonien sind diese aber durchaus von Nutzen. Sofern sie sich nicht beim ersten Windstoss zurückstülpen wie eine verwelkende Blume auf dem Stubentisch.

Ungewollte Spurenfindung

Auf dem unbenützten Nachbarsbett einen Popel inklusive Nasenhaar entdecken.

Experimental

In der Beiz, im Umfeld von fussballfixierten Dorfbewohnern einen Gemüseteller essen.

Samstag, 29. April 2017

Richtungswaisend

Dann sah ich vor lauter Wald den Weg nicht mehr.


Wanderruth

Als ich den Vulkan bestieg, kam ich etwas ausser Atem. Glücklicherweise konnte ich dies damit entschuldigen, dass ich einen kettenrauchenden Mitfünfziger vor mir den Berg hinauf schob.

Sogwirkungshügel

Die gleiche Sogwirkung, die Shoppingmalls auf gewisse Menschen haben, verursachen bei mir Berge.